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Friede am smaragdgrünen Fluss 02.05.2019

Slowenien. Die Soca zählt zu den schönsten Flussläufen Europas. Wir folgen dem

„Friedensweg” von der Quelle bis zur Mündung in die Adria und erleben dabei

eine bewegte Geschichte.


Der bildschöne Lauf der Soc (italienisch Isonzo) beginnt im Triglav-Nationalpark auf 1050 Meter Höhe. Hier sprudelt der Fluss aus einer Karstquelle und stürzt sogleich als Wasserfall in das tief eingeschnittene Trenta-Tal. Von da an geht’s bergab: das Wasser über Stock und Stein, wir zu Fuß gemächlich über Serpentinen. Jede Biegung erschließt neue Blicke auf schroffe Felswände und grüne Matten, darüber thront der mächtige Triglav. Der Blick nach unten offenbart die türkis schimmernde, bis zu fünfzehn Meter tiefe Kalkstein-Trogschlucht des Flusses, die wir über Holzhängebrücken queren. Bald sind wir im Tal beim Dorf Trenta und besuchen das interessante Nationalparkzentrum.

Bei der Ortschaft Bovec rauschen vom mächtigen Mangart-Gipfel die Wasser der Koritnica herbei, vereinen sich mit der Socˇa und machen sie zu einem stattlichen Gebirgsfluss – ein Dorado für Wassersportler und andere Abenteurer. Im Adrenalin Park Bovec treffen wir Uroš Snoj (www.ziplineslovenia.si). „Alle schwindelfrei?“, grinst der Berfgex. Zip-Line nennt sich das Vergnügen: Klettergurt anlegen, mit Karabinern sichern – und schon sausen wir an der drei Kilometer langen Drahtseilkonstruktion quer über die Schlucht hoch über dem Tal. Adrenalinschübe und grandiose Ausblicke sind garantiert.

Traurige Geschichte. Grün und üppig ist die Natur entlang des Flusses bei Bovec, unzählige Wasserfälle begeistern. Der prachtvollste ist der 18 Meter breite Boka-Fall, der über zwei Geländestufen 136 Meter tief stürzt. Darüber blitzen die hellen Kalksteingipfel von Rombon und Kanin. Es ist der gelöste Kalk, der der Socˇa ihre einzigartige Jadefarbe verleiht.

Im Freilichtmuseum Ravelnik holt uns wieder die Geschichte ein: Im Wald verstecken sich halb verfallene Holzbaracken, Schützengräben, Schießscharten: Überreste der Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Manche Schächte sind in den puren Fels gegraben, in den Bunkern tropft Wasser von der Decke. Es ist kalt. Und bedrückend beeindruckend.

Drei kleine Privatmuseen in Bovec halten die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg lebendig und bieten geführte Touren zu den einstigen Kampfpunkten der berüchtigten Isonzo-Front. Exakt 101 Jahre nach dem Ende des Schreckens lädt auch der „Weg des Friedens“ („Pot miru“ auf Slowenisch) ein, diesem traurigen Historienkapitel per pedes oder Bike zu folgen: Der Friedenspfad startet in Log pod Mangartom am Fuße des Predilpasses und führt über 320 Kilometer flussabwärts, von den Alpen bis zur Adria. Das Projekt wurde vor wenigen Jahren gestartet, als Markierung dient ein Taubensymbol.

Sanfter Ausklang. Rund 20 Kilometer südlich von Bovec, in Kobarid, arbeitet das Kobariški muzej die Schrecken der Vergangenheit auf (www.kobariski-musej.si) und vermittelt ein eindrucksvolles Bild vom Leben der Soldaten rund um einen der größten Gebirgskämpfe der Geschichte. Die Ausstellungsräume erzählen von Entbehrung, Frost und Lawinen, von Irrtümern und Finten, von Hemingway und Generälen. Und der zwölften Isonzoschlacht, die für Unzählige den Tod, für den damals blutjungen Erwin Rommel jedoch den Beginn einer steilen Karriere bedeutete.

Bei Kobarid öffnet sich das Tal, wird sanfter. Im Gegensatz zur Socˇa lässt es sich im Sommer im Nebenflüsschen Nadiža bestens baden, die Wassertemperaturen erreichen bis zu 22 Grad. Auch gastronomisch gesehen liegt hier das Herz der Region, die fünf besten Restaurants haben sich zum Kobarider Gastronomiekreis zusammengetan. Hier kann sich der Friedenswanderer nach der Auseinandersetzung mit dem Kriegsgeschehen kulinarisch trösten.

Weiter folgen wir der Socˇa flussabwärts. Weich wellt sich das liebliche Land der Goriška Brda (Görzer Hügel, www.brda.si), die ersten Rebstöcke kommen in Sicht. Auch hier gibt’s einen Ausflug in die Geschichte: Auf dem Berg Sabotin verstecken sich im „Park des Friedens“ (der 14. Station des Friedensweges) Kavernen und bis zu neunstöckige Höhlensysteme der k. u. k. Armee. Eine unglaubliche Anlage! Angeschlossen ist das kleine, gut sortierte Weltkriegsmuseum.

Der „Pot miru“ führt über die Steinbrücke von Solkan (UNESCO-Welterbe) nach Nova Gorica und zu guter Letzt, den Ausläufern des Karsts entlang, Richtung Italien. Nun heißt die Socˇa Isonzo. Einer der schönsten und geschichtsträchtigsten Wasserwege Europas hat seine gebirgige Heimat hinter sich gelassen, strebt dem Meer entgegen und ergießt sich bei Schloss Duino, bekannt dank Rainer Maria Rilkes „Elegien“, in die Adria.