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Wo Geschichte lebt 13.10.2016

Kanada


2017 feiert Kanada sein 150-Jahr-Jubiläum. In der Hauptstadtregion Ontario mit den Metropolen Ottawa und Toronto kann man den Werdegang des jungen Landes eindrucksvoll erleben.


Geschichte lebt: Der junge Staat Kanada versteht es, seine Ge schichte höchst interessant und lebendig zu präsentieren – auch wenn dem interessierten Reisenden dabei manchmal das Lachen gefriert. Begeben wir uns beispielsweise nach SaintMarie among the Hurons am bildschönen Huronsee im Osten des Riesenlandes und drehen das Rad der Zeit ins Jahr 1639 zurück. Damals gab es den Staat Kanada noch nicht, längst aber den Stamm der Wendat, die hier friedlich und eins mit der Natur lebten.

Dann kamen die französischen Jesuiten (sie nannten die Wendat-Indianer Huronen) und errichteten eine Missionsstation. Welch unüberwindbare Kulturkluft sich hier auftat, erleben Besucher heute höchst eindrucksvoll (und ebenso authentisch wie unpathetisch) im „Living Museum“. Leider nahm die Sache kein gutes Ende.

Weiter im Süden, bei der Kleinstadt Kingston (der Hauptstadt der größten britischen Kolonie Nordamerikas zu Beginn des 19. Jahrhunderts), geht es – zumindest heute – witziger zu. „Haltung!“, brüllt der weibliche Lieutenant mit der strengen Hochsteckfrisur und schreitet zackig die Company ab, kann dabei das Lachen aber kaum unterdrücken. Den Rekruten geht es ähnlich: Sie stehen zwar stramm wie die Zinnsoldaten, ihr Grinsen wird aber immer breiter. Schauplatz dieser „KadettenSpaß-Ausbildung“ ist der Kasernenhof von Fort Henry. Die trutzige historische Festungsanlage am Treffpunkt Ontariosee, Sankt-Lorenz-Strom und RideauKanal spielte von 1812 bis 1814 im Britisch-Amerikanischen Krieg eine wichtige Rolle. Heute lebt auch hier Geschichte.

Genauso im Upper Canada Village: „Willkommen, willkommen!“, eilt eine Dame, gekleidet wie im Wildwestfilm, auf uns zu: zugeknöpfte Bluse, ausladender Reifrock, Obst am Hut. Sie und 120 weitere „Bewohner“ zeigen das traditionelle (Bauern-)Leben in original historischen Gebäuden. Exakt so, wie es um 1860 war.

Knapp danach betrat Kanada die Bühne der Welt: 1867 schlossen sich die großen britischen Kolonien Nordamerikas zu einer Konföderation zu

sammen, am 1. Juli trat ihre Verfassung in Kraft. Seitdem ist der 1. Juli Nationalfeiertag. An diesem „Canada Day“ ist die ganze Nation rot-weiß-rot gewandet auf den Beinen und feiert mit unglaublichem Nationalstolz. Zentrum der Festivitäten ist der Parlamentshügel in der Hauptstadt Ottawa. Nächstes Jahr – 2017 – wird es zum Jubiläum ganz besonders rundgehen!

Pulsierende Metropolen. Die südostkanadische Provinz Ontario ist aber keineswegs nur museal, sondern höchst lebendig, hip und trendig – ganz besonders die beiden pulsierenden Großstädte Toronto und Ottawa. Am Ufer des gewaltigen Ontariosees, der mehr wie ein Meer als ein See wirkt, funkelt die Wirtschaftsmetropole Toronto. In ihrem Großraum leben sieben Millionen Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung des zweitgrößten Staates der Erde. Die Skyline der Stadt direkt am See mit dem nadelförmigen, 553 Meter hohen CN-Tower ist überwältigend, das Leben sehr geschäftig.

Die Kulturszene pulsiert und der gewaltige See direkt vor der Haustüre bietet einen hohen Freizeitwert. In einem Tagesausflug sind die weltberühmten Niagarafälle zu erreichen. Die über 52 Meter Fallhöhe herabtobenden Wassergewalten im Grenzbereich Kanada-USA sind ein großartiges Naturspektakel, leider aber sehr touristisch. Unser Tipp: ein stiller HelikopterRundflug über die Szenerie (z. B. bei www.niagarahelicopters.com). Am Rückweg empfiehlt sich ein Abstecher in das berühmte Wein-Anbaugebiet Niagara-on-the-Lake. Das Bilderbuchstädtchen verbreitet mit niedlichen Holzhäuschen, üppigem Blumenschmuck und Schaukelstühlen auf den Holzveranden viel Kolonialflair.

Im Gegensatz zu Toronto wirkt die Hauptstadt Ottawa nahezu provinziell: Die grüne 1,2-MillionenMetropole rühmt sich für ihre entspannte Lebensart und gilt als sauberste Hauptstadt der Welt. Zur zeremoniell-britischen Wachablöse vor dem Parlament gesellt sich französische Lebensart aus der Nachbarprovinz Québec. Der Rideau-Kanal (UNESCO-Weltkulturerbe) zieht sich wie eine riesige blumengeschmückte Gracht durch Ottawa und ist das Freizeitzentrum der Stadt: Radfahren, Surfen, Paddeln, Schwimmen und im Winter endlos Eislaufen ist hier angesagt. Urlaub mitten in der Großstadt!