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Cara Mamma Sicilia 15.11.2018

Die Kathedrale von Palermo 
ist von byzantinischen, arabischen und normannischen Einflüssen geprägt und mischt unterschiedlichste Baustile.

Vom antiken Theater in Taormina hat man einen herrlichen Ausblick auf das Meer.

Barockperle Noto mit der Kirche Santa Chiara.

Spaziergang in der Lava-Mondlandschaft des Ätna.

Sizilien ist seit Jahrtausenden ein Schmelztiegel der Völker und Kulturen und stellt sein reiches Erbe offenherzig zur Schau. „Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele”, meinte schon Johann Wolfgang von Goethe.


Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Bergspitze wird von einem harmlosen Schönwetter-Wölkchen umweht. Doch schaut man genauer hin, weiß man: Diese Wolke ist anders. Und schon ist sie die fixe Idee jedes Sizilien-Reisenden, denn sie krönt den Ätna (3340 m), einen der aktivsten Vulkane der Welt, und ist aus Asche. Ein Ausbruch mit rotglühender Lava gilt als i-Tüpferl jeder Sizilien-Reise. Natürlich aus sicherer Distanz beobachtet, versteht sich!


Der Ätna war und ist Errichter der größten Mittelmeerinsel und baut bis heute gerne um. „Pro Jahr bricht er rund 50-mal aus”, setzt uns Guide Dario Salzano in Erstaunen. „Aber gefährlich ist er nicht wirklich – zumindest solange es zu keiner Mega-Eruption kommt. Wir Sizilianer haben gelernt, mit ihm zu leben.”
Viele Völker und Kulturen kamen im Lauf der Geschichte und prägten die Insel. Sie alle hatten Hochachtung vor dem explosiven Glutofen. Die Griechen glaubten, unter dem Ätna säße ein feuerspeiender Drache. Für die Araber war er der „Mongibello”, schöner Berg. Geologen sagen die Ätna: Mamma Ätna – Mutter Erde. Die sizilianischen Bauern hingegen nennen ihn respektvoll: il grande padre – der große, strenge Vater, der der Landwirtschaft allerdings gütig seine fruchtbaren Flanken leiht. Eine Fahrt über die steile Serpentinenstraße hinauf in die Lava-Mondlandschaft gehört zu jeder Sizilien-Reise dazu. Ein Spaziergang, etwa beim Krater 2001 (er entstand im Jahr 2001), ist ein großartiges Erlebnis.


Vielfältige Kultur. Nicht nur an Natur-, auch an Kulturschätzen ist Sizilien reich: Aus der Zeit von Magna Graecia stammen die sieben monumentalen dorischen Tempel bei Agrigent; Selinunte ist eine der sehenswertesten archäologischen Stätten des Mittelmeerraums. Beeindruckende griechisch-römische Theater sind in Sirocusa, Catania, Eraclea Minoa und Taormina erhalten. Aus der spätrömischen Zeit stammen die herrlichen Mosaike der Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina.

Einen jüngeren Höhepunkt der Kunst markiert der sizilianische Barock im Osten der Insel. Er wurde aus der Not heraus geboren: Nach einem verheerenden Erdbeben anno 1693 mussten mehrere Städte neu errichtet werden. Anstelle der verwinkelten mittelalterlichen Siedlung entstanden perfekt durchgeplante urbane Zentren nach den Prinzipien des barocken Städtebaus. Geld war zur Genüge vorhanden, seit der Araberzeit (827 bis 1059) erlebte die Region eine wirtschaftliche Blüte. So entstanden wie aus dem Lehrbuch der Geometrie barocke Musterstädte – Noto, Avola, Modica, Ragusa und etwas weiter nördlich Siracusa.
Noto ist die prachtvollste Barock-Perle von allen: Virtuos spielten die Bauherren mit Perspektiven, Linien und Licht und garnierten mit überschwänglicher Dekorationsfreude. Großzügige Palazzi, mächtige Freitreppen, himmelstürmende Kirchtürme und weite Plätze aus honiggelbem Sandstein werden von tollenden Putti, lasziven Sirenen, Pferden mit wehenden Mähnen und Grimassen schneidenden Monstern bevölkert. Der „blühende Garten aus Stein” wurde ab 2002 (Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe) umfassend restauriert.


Palermo – Kulturhauptstadt 
Italiens 2018. Urbaner Höhepunkt ist zweifellos Palermo. Die sizilianische Hauptstadt ist chaotisch, laut, abstoßend und prachtvoll zugleich. Schnell nimmt uns dieser Hexenkessel gefangen. „Paleimo”, wie die Bewohner sagen, kann man nur lieben oder hassen, laue Neutralität lässt die 675.000-Seelen-Metropole nicht zu. In ihr vereint sich alle Fragwürdigkeit, alles Elend, aber auch alle Lebensfreude, Farbenpracht und Vielfalt der Insel. Sie ist eine Stadt der Kontraste: Als Schmelztiegel der Völker und Kulturen – Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner, Araber, Langobarden, Normannen und Staufer sind bis heute in einer spannenden Koexistenz präsent – ist auch Palermo eine cara, alle umarmende Mamma. Am prachtvollsten funkelt es im Inneren des Doms von Monreale oberhalb von Palermo: Die goldenen Einlegearbeiten bilden den größten Mosaikzyklus der Welt.


Doch mitten in der Innenstadt, gleich hinter der schicken Einkaufsmeile Via Roma, dominiert der Verfall. Zwischen verwahrlosten Abrisshäusern glänzen aber immer öfter proper restaurierte Palazzi. Als Italiens Kulturhauptstadt 2018 ist Palermo regelrecht in Aufbruchsstimmung, gebaut und restauriert wird allerorts. Der Hexenkessel putzt sich fein raus.

 

Webinfo:
www.visitsicily.info/en
www.enit.at
https://turismo.comune.palermo.it
www.palermocapitalecultura.it


Anreise: Austrian Airlines fliegt nach Palermo und Catania 
(www.austrian.com).
Reise-Tipp: Bus-/Flugreise „Sizilien am Schnittpunkt der Kulturen”, Termin: 9. bis 17. April 2019; ab 
EUR 1.299,– (ARBÖ-Vorteil: 20,– 
Ermäßigung). Zu finden 
auf www.arboe.at/reisen.