News

So muss Elektro 01.06.2019

Hyundai Nexo. Erster Alltagstest des Wasserstoff-SUV mit Brennstoffzelle. Resümee

vorab: So kann E-Mobility kommen, am besten schon gestern!


Gleich einmal die Fakten auf den Tisch: Der Nexo ist ein ausge wachsenes Premium-SUV (eherCrossover, da nur frontgetrieben), bringt aber „nur“ rund 1,9 Tonnen auf die Waage, weil er sich an die 700 kg Batterielast vergleichbarer E-Autos erspart.

Die Reichweite mit einer Tankfüllung nach neuer – realistischer – WLTP-Norm liegt bei etwa 650 km, das völlig problemlose Wasserstofftanken dauert maximal fünf Minuten, dazu kommen bestenfalls noch zehn Minuten für den Gratis-Kaffee, den die OMV jedem Wasserstofftanker spendiert. Das wird die Bilanz nicht wirklich belasten, denn momentan gibt’s in Österreich nur fünf Tankstellen. Die Kosten für einmal Volltanken bei 700 bar liegen bei rund 45 Euro, preislich fährt man also etwa auf Verbrenner-Niveau, aber aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf.

Der gravierende Unterschied zum Batterieelektrischen – neben dem Wegfall elendslanger Ladedauer – besteht im wesentlich stabileren Verbrauchsverhalten. Außentemperatur, Heizung, Klimaanlage, auch die beheizten und belüfteten Sitze, wirken sich viel weniger auf die Reichweite aus, auch Autobahntempo – 130 bis 140 km/h völlig lautlos, nur der Fahrtwind und das Abrollen der 19-Zöller sind zu hören – lässt keine Sorge aufkommen. Der Durchschnittsverbrauch liegt, flott gefahren, bei 1,0 bis 1,3 Kilo Wasserstoff für 100 Kilometer, 6,3 Kilo davon passen in die drei Hochdrucktanks (zwei vorn, einer hinter der Hinterachse), und im ganz schweren Crash-Fall würde der Druck gefahrlos über Sicherheitsventile entweichen.

Der 120 kW/163 PS starke Nexo bietet absolutes Premium-Ambiente: Leder, Panoramadach, zwei Monitore (12,3 und 7,2 Zoll), alle gängigen Assistenten bis hin zum fahrerlosen Einparken via Schlüsselbedienung. Dazu Gags wie die selbst ausfahrenden Türgriffe und das Rückspiegelbild beim Blinken ins Display eingeblendet. Für Klima und die drei Fahrmodi gibt es klar definierte Schalter auf der frei schwebenden Mittelkonsole, Paddles ermöglichen drei Rekuperationsstufen, und wenn einem das ganze Ding zu leise ist, kann man mit dem „VESSSchalter“ auch künstlichen Motorsound erzeugen.

Für 78.000 Euro bekommen „Friendly User“ den emissionsfreien Luxusgleiter, und an der einhundertprozentigen Alltagstauglichkeit des Nexo und seines Antriebes bleiben im Test keine Zweifel, sofern man ihm in naher Zukunft ein anständiges Tankstellennetz baut. Einziges Problem: Wasserstoff ist keine Primärenergie, muss also hergestellt werden. Derzeit vor allem aus Erdgas, aber die Firma Fronius zeigt in Salzburg schon vor, wie das auch mit Solarenergie funktioniert ...


Hyundai Nexo € 78.000,–

Motor: E-Motor mit Brennstoffzelle
Leistung: 120 kW/163 PS
L/B/H: 4670/1860/1630 mm
Testverbrauch: 1,0 bis 1,3 kg/100 km
MVEG-Verbrauch komb.: 0,95 kg/100 km
CO2-Emission: 0 g/km
0–100 km/h; Spitze: 9,2 s; 179 km/h
Kofferraumvolumen: 461–1466 Liter


ARBÖ-Fazit:

Plus: Emissionsfrei und leise ohne Reichweitensorgen.
Minus: Derzeit noch dünnes WasserstoffTankstellennetz, hoher Preis.