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Emotion mit Funktion 10.02.2019

Im Talk. Der Skoda-Designchef Oliver Stefani will die tschechische Marke moderner und trendiger machen. Erste Schöpfung ist der neue Scala, mit dem Skoda eine

neue Ära einleitet. Stefani über Design-Trends und die Zukunft von Skoda.


Von „Simply Clever“ zu „Simply Surprising“ erklärt der oberste Skoda-Designchef Oliver Stefani die Design-Entwicklung der Marke. Mit auffälligem Stolz. Zu Recht – denn mit dem neuen Scala, der in der ersten Jahreshälfte 2019 kommt, geht Skoda voll in die Offensive.
Das neue, 4,4 m lange Kompaktmodell bekam ein völlig neues, sehr emotionales Design mit auf den Weg, das bereits einen Vorgeschmack auf künftige Modelle (wir freuen uns schon auf den neuen Octavia!) gibt – dynamisch und elegant zugleich. Die auffällig strukturierte Motorhaube und der ausdrucksstarke Kühlergrill sind dabei die wichtigsten neuen Stilelemente. Selbstbewusst prangt der Skoda-Schriftzug am Heck. Und was für ein Heck! Besonders mit der weit heruntergezogenen Glasfläche (optional) ein echter Hingucker. Wir trafen Oliver Stefani zu einem Gespräch über die neue Designrichtung bei Skoda.

Der Skoda Scala läutet eine neue Ära bei Skoda ein. Was ist das Besondere am Scala?

Der Scala ist für Skoda ein großer und wichtiger Schritt. Er ist ein sehr emotionales Auto geworden, authentisch, ausdrucksstark und mit einem starken Charakter. Seine Front strahlt Selbstbewusstsein aus, die Seitenansicht ist clean und gestreckt, das Heck setzt mit der verlängerten Heckscheibe, den scharf gezeichneten Rückleuchten und dem „Skoda“ anstelle des Logos klare Akzente. Der Scala ist im Vergleich zum Rapid Spaceback länger und breiter geworden und hat außerdem einen größeren Radstand und größere Räder. Das alles verschafft ihm einen kraftvollen sowie dynamischen Auftritt und, nicht zu vergessen, auch hervorragende Platzverhältnisse im Innenraum. Im Scala feiert auch ein neues InterieurKonzept Premiere: mit einem 9,2 Zoll großen frei stehenden, zentralen Display sowie einer neu gestalteten, symmetrisch aufgebauten Instrumententafel, die die Linien der Fahrzeugfront zitiert.

Woran wird man künftig einen Skoda erkennen?
An unserer typischen Skoda-DNA. Jeder Skoda soll auf der Straße sofort als Skoda erkennbar sein. Wichtig ist dafür zunächst einmal die Front des Autos, sein Gesicht. Wir haben unseren typischen hexagonalen Kühlergrill mit den vertikalen Streben, präzise gestaltete Scheinwerfer mit unseren schon traditionellen kristallinen Strukturen, die bis an den Grill heranreichen und mit markanten LED-Modulen bestückt sind. Der untere Lufteinlass erstreckt sich über die ganze Breite des Fahrzeugs. Und nicht zuletzt ist da der charakteristische Powerdome auf der Motorhaube, der optisch in den Grill hineinführt und das Skoda-Logo trägt. An der Seite ist die sogenannte Wingline typisch für Skoda. Sie bietet uns die Möglichkeit, mit Licht und Schatten zu spielen und emotionale Flächen zu kreieren. Und die Einzelbuchstaben am Heck werden alle unsere künftigen Modelle tragen.

Welche besonderen Anforderungen an künftiges Design stellen die neuen Technologien bzw. Anforderungen wie E-Mobilität, autonomes Fahren oder Fußgängerschutz?
Vor allem das autonome Fahren wird das Automobil deutlich verändern, wahrscheinlich mehr als alles andere bisher in seiner Geschichte. Denn dadurch steht künftig nicht mehr der Fahrer zwingend im Mittelpunkt aller Überlegungen. Das ermöglicht uns wiederum ganz neue sowie spannende Denkansätze etwa für den Innenraum unserer Fahrzeuge. Es wird aber auch das Exterieur beeinflussen, weil autonome Fahrzeuge ganz andere Anforderungen etwa an die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern stellen. Für uns Designer sind das Herausforderungen, gleichzeitig aber auch große Chancen – das steigert die Kreativität. Für uns bedeutet das, immer das Beste aus der neuen Aufgabe zu machen – und das möglichst immer ein bisschen besser als andere.

Worauf muss man als Designer besonderes Augenmerk legen?
Innerhalb vorgegebener RahmenParameter geht es bei jedem Entwurf darum, ihn so optimal wie möglich zu gestalten. Das heißt vor allem: Man muss die idealen Proportionen finden. Das ist bei allen Fahrzeugen gleich: vom SUV bis zum Sportwagen. Außerdem versucht man als Designer immer, Fahrzeuge zu entwickeln, die Emotionen wecken und Reaktionen hervorrufen. Große Räder sind hier ungemein wichtig. Und nicht zuletzt achten wir bei Skoda darauf, Emotion immer auch mit Funktion und den typischen Skoda-Tugenden wie einem geräumigen Innenraum und vielen Simply-Clever-Ideen zu verbinden. Design darf und wird bei Skoda nie Selbstzweck sein.

Wohin gehen die Trends beim Autodesign?
Eindeutig in Richtung einer stärkeren Emotionalität, auf jeden Fall bei Skoda. Dabei schauen wir immer auch über den Tellerrand hinaus und suchen Inspirationen in anderen Bereichen, die Menschen emotional ansprechen. Das kann die Architektur sein, aber auch der Flugzeugbau oder klassisches Handwerk wie die böhmische Kristallglaskunst.
Auch den Blick zurück darf man nicht vernachlässigen, denn auch in früheren Jahren hat es Automobile gegeben, die noch heute Designimpulse setzen. Viele davon finden wir auch in der Historie von Skoda wie z.B. den Skoda Popular Monte Carlo. Und nicht zuletzt wird auch die Nachhaltigkeit einen immer größeren Einfluss bekommen, etwa durch die Verwendung recycelter oder nachwachsender Materialien mit speziellen Oberflächenstrukturen.

Wohin wird sich die Marke Skoda künftig entwickeln?
Wir werden auch bei künftigen Fahrzeugen verstärkt auf Emotionen setzen. Dabei ist das Design oft der wichtigste Grund, warum wir uns entscheiden, ein bestimmtes Auto zu kaufen oder nicht. Und damit diese Entscheidung so oft wie möglich für einen Skoda fällt, werden wir in Zukunft noch viele faszinierende und emotionale Autos auf den Markt bringen.

Sie sind ein großer Fan von Cartoons, speziell von Walt Disney. Werden wir irgendwann cartoon- ähnliche Anleihen in Ihren Entwürfen finden?

Seit meiner Kindheit bin ich großer Comic-Fan. Ich sammle sogar Zeichnungen und Storyboards von Walt Disney, seine Kreativität ist beeindruckend. Vielleicht beeinflusst eine seiner Ideen einmal meine künftigen Entwürfe, das wäre nicht ganz auszuschließen ... Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person
Oliver Stefani (54) studierte Design in Braunschweig und Pasadena (Kalifornien) und kam 2002 zu VW. Aus seiner Feder stammen Modelle wie up!, Polo, Jetta, Tiguan und Golf. Stefani arbeitete zudem drei Jahre im Design Center Europe in Sitges (Spanien), im September 2017 folgte er auf Skoda-Stardesigner Jozef Karban (der zu BMW wechselte), wo er nun für das Skoda-Design verantwortlich zeichnet.