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„Es wird sich vieles ändern“ 25.09.2017

Im Gespräch: Uwe Müller - Freie Fahrt traf den Opel-Chefdesigner zum Gespräch über

Fahrzeugdesign, SUV-Trends und den neuen Grandland X.


Schon vor seiner offiziellen Weltpremiere in Frankfurt feierte der neue Opel Grandland X Anfang Juli bereits seinen ersten Österreich-Auftritt im Marx Palast. „Freie Fahrt“ sprach dabei mit Opel-Chefdesigner Uwe Müller, der neben Astra und Agila auch den Grandland X zeichnete, über Autodesign, Trends und den Erfolg von SUV-Modellen.

Freie Fahrt: Weltweit werden jährlich rund 70 Millionen Autos produziert, aber abgesehen von wenigen Details sehen sich die Autos immer ähnlicher. Ist diese Mainstream-Optik, diese Design-Mutlosigkeit, ein Phänomen unserer heutigen Zeit? UWE MÜLLER: Die Anforderungen an das Automobildesign sind heute deutlich komplexer als noch vor 20 Jahren. Gleichzeitig sind die Fahrzeugportfolios der Autohersteller stark gewachsen – vom Roadster über die Limousine und den Kombi hin zum SUV. Darüber hinaus haben fast alle Fahrzeugmarken ihr individuelles Erscheinungsbild geschärft. Ich sehe durchaus sehr viel Vielfalt im heutigen Automobildesign. Das Design bei Opel folgt unserer Designphilosophie „Skulpturales Design trifft auf deutsche Präzision“. Es ist immer das Ziel, dass ein Opel auch als Opel erkennbar ist. Dennoch – und das unterscheidet uns von einigen Wettbewerbern – bewahrt jedes Modell unseres Portfolios seine eigene Identität.

Was ist so speziell beim Design eines Autos? Design ist für viele Kunden gerade beim Autokauf ein wichtiges Kaufargument. Ein Auto soll für uns neben all seinen Funktionalitäten und den vielfältigen Gesetzesanforderungen, die es für Fahrer und Passagiere zu erfüllen hat, immer auch Emotionen auslösen. Das Design eines Fahrzeugs gibt dem Auto ein Gesicht und stellt eine emotionale Verbindung zur eher rationalen Technik her. Darüber hinaus ist ein Auto auch ein Objekt in Bewegung. Aus jedem Blickwinkel heraus wirkt die „Skulptur Auto“ anders. Dies unterscheidet das Autodesign ganz wesentlich vom Design anderer Industrieprodukte.

Stichwort böser Blick, großer Grill und Tigernasen: Wo bleibt das nette, freundliche Design früherer Autos? Heute muss alles dynamisch und selbstbewusst aussehen. Nicht alle Autos sehen böse aus … Wir bei Opel haben zum Beispiel mit dem Adam ein Fahrzeug im Programm, das seinen Betrachter stets anlächelt!

Der Grandland X ist sehr nah verwandt mit dem Peugeot 3008. Wo setzt man da als Designer an, um daraus einen echten Opel zu machen? Mit dem Grandland X haben wir in dem stark boomenden SUV-Segment einen neuen Herausforderer geschaffen. Der Grandland X verbindet eine sportliche und emotionale Gestaltung mit einem coolen Offroad-Look sowie die SUVtypische erhöhte Sitzposition mit guter Rundumsicht und Toptechnologien. Er hat eine völlig eigenständige Identität, sowohl beim Außendesign als auch im Innenraum. Wir haben beim Grandland X unsere Opel-Designphilosophie „Skulpturales Design trifft auf deutsche Präzision“ konsequent und zeitgemäß fortgeführt. Der Grandland X nimmt bei der Front- und Seitenansicht zahlreiche, für Opel typische Design-Merkmale auf und entwickelt sie auf neue und moderne Art und Weise weiter. Die Heckgestaltung wirkt durch den progressiven Heckklappenschnitt sehr athletisch und auch die Gestaltung der C-Säule des Grandland X ist außergewöhnlich.

Wie erklären Sie sich den unheimlichen Erfolg von SUV-Modellen? Ich glaube der Erfolg dieser Fahrzeuggattung hat verschiedene Gründe: Neben einer kraftvollen Optik und dem modernen Look hat solch ein Fahrzeug für den Kunden viele Vorzüge. Man sitzt hoch, hat eine gute Übersicht und fühlt sich gut aufgehoben.

Was charakterisiert für Sie (optisch) ein SUV, wofür steht es? Ein SUV wie unser Grandland X hat einen sehr kraftvollen und markanten Auftritt. Der Grandland X hat eine dominante Front, große Räder sowie typische SUV-Elemente wie Schutzverkleidungen an den Radhäusern, an der Seite und einen Unterfahrschutz – all die Merkmale, die für ein SUV charakteristisch sind. Der Grandland X wirkt kompakt und muskulös und ist gleichzeitig sportlich und elegant.

Warum ist heute ein Auto für 18-Jährige speziell in Großstädten nicht mehr so wichtig wie früher? Heute legt die Jugend scheinbar mehr Emotionen in ein Smartphone? Das Thema Mobilität ist zweifelsohne im Umbruch. Neue Mobilitätskonzepte wie Carsharing, Autonomous Driving und Elektromobilität werden die Diskussion der nächsten Jahre prägen. Es wird spannend sein, diese Entwicklung weiterzuverfolgen.

Könnten Sie sich vorstellen, dass die klassischen Karosserieformen wie Limousine, Coupé und Kombi künftig einmal ausgedient haben und es dann nur noch einen einzigen effizienten Crossover-Look geben wird? Leben bedeutet Vielfalt! Auch bei Autos.

Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch. Inwieweit wird der E-Antrieb das Autodesign beeinflussen? Ich persönlich kann mir vorstellen, dass wir in Zukunft Fahrzeuge sehen, die die Vorteile der neuen Antriebstechnologie beim „Packaging“ stärker hervorheben. In Verbindung mit dem autonomen Fahren öffnen sich für uns Autodesigner hier ganz neue Gestaltungsansätze. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich meines Erachtens die Automobilindustrie stärker verändern als in den letzten 50 Jahren.

Welche Autos sind Ihre ganz persönlichen Design-Highlights? Mein persönliches Design-Highlight ist das Fahrzeug, an dessen Neugestaltung wir gerade intensiv arbeiten. Wie schon erwähnt, wird sich in der Zukunft sehr vieles verändern ...


Zur Person

Uwe Müller (50) ist Opel-Chefdesigner für Astra, Agila und Grandland X und seit über 25 Jahren im Unternehmen.


Mein erstes Auto: VW Golf

Die längste Autofahrt meines Lebens: Wiesbaden–Edinburgh

Mein bevorzugtes Urlaubsziel: Italien

Meine Qualitäten als Beifahrer: Ich schnarche nicht ...

Worauf ich zuerst achte, wenn ich in ein neues Auto steige: Die Cockpitgestaltung

Worauf ich beim Autokauf achte: Design, was sonst

Unterwegs höre ich am liebsten: „Sie haben das Ziel erreicht”

Beeindruckendstes Arbeitserlebnis: Einen Entwurf das erste Mal auf der Straße zu sehen

Bevorzugtes Arbeitsgebiet: Exterior Design

Wichtigste Entwicklung der jüngsten Zeit: Less is more

Bei der Arbeit immer dabei: Emotionen Autodesigner – ein Traumberuf? Nein, DER Traumberuf