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Im Sparverein: Dauertest Kia Niro Plug-in-Hybrid 22.03.2018

Strom oder Sprit: Der Kia Niro punktet in seiner Plug-in-Hybrid-Variante als solides E-Auto für die meisten Alltagswege. Auf langer Tour übernimmt der Benziner.

Feiner Arbeitsplatz: Klares Cockpit im Kia Niro mit hohem Wohlfühlambiente.

Strom im Alltag: Vollgeladen schafft der Kia Niro Plug-In-Hybrid gut 50 Kilometer rein elektrisch.

324 Liter: Im knappen Gepäckabteil wartet auch das Stromkabel.

Mit dem Kia Niro Plug-in-Hybrid kann man im Alltag problemlos einen auf Elektroauto machen. Und das sehr komfortabel und ohne Reichweitenangst.


Ein Hauptargument für den Diesel ist sein geringer Verbrauch. Dabei stehen moderne Benziner punkto Effizienz den Selbstzündern nicht mehr allzuviel nach. Besonders in Kombination mit E-Motoren -
(Hybrid) können Benziner eine inte-ressante Alternative sein.
So wurde etwa der kompakte Kia Niro kürzlich um eine schlaue Variante erweitert: Als Plug-in-Hybrid nützt er neben seinem Verbrennungsmotor auch eine 24,7 Ah starke Batterie für den Antrieb. Diese kann an der Steckdose geladen werden und lässt den Niro auch rein elektrisch fahren. Für uns Grund genug zum Start eines Dauertests. Auf den ersten Blick liegen die Vorteile eines Plug-in-Hybrids klar auf der Hand: Er kann an eine Ladestation beziehungsweise an eine ganz normale 220-Volt-Steckdose angeschlossen werden. Dank größerer Batterie gibt’s mehr Reichweite und man kann den täglichen Pendelverkehr in den meisten Fällen auch rein elektrisch meistern. Für Wochenende und längere Strecken nützt man den Verbrennungsmotor – alles in einem einzigen Auto, klingt vernünftig.


Der Plug-in-Niro liefert ein klares Statement: sparen bei volksnaher Bepreisung und in gefälliger Schale. Kein Ich bin ein futuristisches Auto und kann auch mit Strom fahren-Getue. Die Karosse ist durch und durch alltagstauglich und kleidet sich in aktuellem Crossover-Look.
Feines Interieur. Platz gibt’s reichlich, auch im Fond. Das Interieur ist heimelig, ansprechend und modern zugleich, fast schon ein bisserl nobel. In Summe feine Verarbeitung mit teilweise Softtouch-Material, kombiniert mit hübschen Dekorleisten.


Die von uns gefahrene Platin-Ausstattung lässt nichts missen: Sitzheizung und (auch für Reihe zwei) -lüftung, beheiztes Lenkrad, volles Infotainment, JBL-Soundsystem und eine Vielzahl an Assistenten – hier ist wirklich ordentlich viel vertreten. Der mittige 8-Zoll-Touchscreen liefert Infotainment, Navi und Hybrid-Infos (inklusive Ladestationen in der Nähe), das kleine Farbdisplay zwischen den beiden Uhren im Cockpit informiert über alle relevanten Fahrinfos.


Die Schalter, die es zu bedienen gibt, sind nicht wenige, dafür alles übersichtlich gruppiert und schlüssige Bedienung. Dennoch erfordert es Eingewöhnung, bis man problemlos auf der Kia-Klaviatur spielt. Aber nun zum Fahren: Die Verbindung von Strom und Verbrenner erweist sich im Alltag als äußerst dienstbar und unauffällig. Man merkt kaum, wenn sich der Vierzylinder dazuschaltet. Der 1,6-l-Benziner liefert zusammen mit dem 61-PS-Permanent-Magnet-Synchronmotor eine Systemleistung von 141 PS. Damit ist man schon gut bestückt.


Simple Praxis. Als Plug-in-Hybrid verfügt der Niro über eine größere Batterie als sein Schwestermodell, der Kia Niro Hybrid (24,7 Ah statt 6,5 Ah), was ihm am Papier bis zu 58 km rein elektrische Reichweite beschert. In der Praxis schafften wir ca. 54 km und lagen damit nicht allzu weit entfernt von den Versprechungen des Herstellers – also durchaus alltagstauglich.
In etwas mehr als zwei Stunden kann die Batterie wieder voll geladen werden, vorausgesetzt, man lädt mit 32 Ampere (Ladestation). An der herkömmlichen Schuko-Steckdose dauert’s doppelt so lang.
Und was bringt’s? Bei flüssigem Verkehr und geladenem Akku kann der Bordcomputer schon einmal unter vier Liter Schnittverbrauch anzeigen, in der Regel sollte man aber fünf bis sechs Liter kalkulieren. Bei forscher Gangart oder auf der Autobahn kann man dann schon an der 7-Liter-Marke schrammen. Werte, die durchaus auf dem Niveau gleich starker Diesel liegen. Die Werksangabe mit 1,3 Liter Normverbrauch ist so natürlich weit weg jeglicher Praxis, da sie auch rein elektrisches Fahren inkludiert. Übrigens kann sich der Benziner auch im E-Modus dazumelden: Wenn der Batteriestand unter 20 Prozent fällt, wird im Range-Extender-Prinzip nachgeladen bzw. zur Stützung der Heizleistung im Winter oder Klimatisierung im Sommer.


Bis Tempo 130 kann der Niro rein elektrisch fahren. Flotte Überland- und Autobahnetappen saugen bei E-Fahrt natürlich verstärkt am Akkustand. Das ist aber auch nicht das bevorzugte Revier eines Hybriden. Der Niro ist in seinem Wesen kein dynamischer Kurvenräuber. Cruisen mit hohem Komfortfaktor ist eher sein Ding. In der „normalen“ Eco-Einstellung geht’s zurückgelehnt zur Sache, bloß nicht mehr Sprit und Strom verbrauchen als notwen-dig. In der Ein-stel-lung „Sport“ hingegen pfeift er auf Sparverein-Tugenden und mixt beide Antriebe für kraftvolle Sprints. Nebenbei wird hier auch die Batterie mitgeladen. Dabei gefällt das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das im Vergleich zu ande-ren Hybridmodellen die Gänge ohne Gummiband-Effekt eines CVT-Getriebes sortiert.


Unsere Einträge im Fahrtenbuch stellen dem Niro ein gutes Zeugnis aus: großzügig Platz, auch für lange Beine, ausgesprochen komfortabel und leise, selbst bei höherem Tempo.
Was uns stört? Eigentlich recht wenig. Lediglich leichte Traktionsprobleme beim Anfahren sowie geringer Seitenhalt der Sitze wurden vermerkt – Peanuts. Wermutstropfen für Familien könnte hingegen der relativ knappe Kofferraum sein, der der darunterliegenden Batterie geschuldet ist. 324 Liter sind nicht gerade die Welt.

 

Kia Niro PHEV; EUR 33.290,–*

Motor: R4-Benziner, 1580 ccm plus Permanent  Magnet-Synchron E-Motor (44,5 kW/61 PS)
Systemleistung: 103 kW/141 PS
Drehmoment: 265 Nm bei 1000–2400/min
Antrieb: 6-Gang-Automatik, Vorderrad
L/B/H: 4355/1805/1535 mm
Eigen-/Gesamtgewicht: 1548/2000 kg
Kofferraum: 324–1322 l
0–100 km/h; Spitze: 10,8 s; 172 km/h
Anhängelast gebr./ungebr.: 600/1300 kg
Testverbrauch: 5,8 l/100 km
MVEG-Verbrauch komb.: 1,3 l/100 km
CO2-Emission: 29g/km

*) Preis Testauto: EUR 42.090,- (Ausstattung Platin)

 

ARBÖ-Fazit:
Plus: Verarbeitung, Komfort und die problemlose Einbindung von Elektromobilität in den Alltag ohne  Reichweitenangst.
Minus: Etwas knappes Kofferraumvolumen.