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Friedenschluss mit dem Fahrtwind 01.08.2017

Wie sich der neue glattgebügelte Range Rover Velar fährt.


„Aerodynamik ist was für Leute, die keine Motoren bauen können,“ hat Commendatore Enzo Ferrari früher einmal behauptet. Und auch die Briten haben ihrem Land Rover vom alten Defender-Schlag viele Jahre lang den Luftwiderstand eines Bauernhofes eingebaut.

Mit dem neuen Range Rover Velar haben sie aber gründlich umgedacht: Glatte Flächen, flachere Frontscheibe, schmale Leuchteinheiten, während der Fahrt bündig abschließende Türgriffe lassen schon erahnen, wie die künftige Formensprache von Range Rover klingen könnte.Der Friedenschluss mit dem Fahrtwind (cw 0,32) ist aber nur ein Aspekt. In einer Zeit, da jeder Hersteller bestraft wird, wenn er auch nur die kleinste Nische unbefüllt lässt, fügt sich diese neue, vierte Baureihe von Range Rover punktgenau zwischen Evoque und Range Rover Sport ein.

In Zahlen: Radstand Evoque 2,66 Meter, Velar 2,87 Meter, Sport 2,92 Meter. Bei enger technischer Verwandtschaft mit dem Jaguar F Pace besteht die Karosserie des Velar zu 80 Prozent aus Alu (Gesamtgewicht je nach Ausführung zwischen 1,8 und 1,9 Tonnen) und was in der äußeren Linienführung als geglätteter, 4,8 Meter langer Evoque mit ordentlich Platz und Kofferraum (maximales Ladevolumen bis zu 1.731 Liter, keine dritte Sitzreihe) auftritt, bringt alle Feinheiten der Range Rover-Linie mit. So gediegen-elegant, wie es außen und innen zugeht und angesichts der Preisgestaltung möchte man eigentlich nur vor Opernhäusern oder Dreihauben-Tempeln vorfahren, dabei hat der Velar auch im Offroad-Betrieb fast immer mehr drauf, als der Mut des Fahrers zulässt, wie sich bei ersten Testfahrten in Norwegen gezeigt hat.

Neuestes Auto Terrain Response ist ebenso verfügbar wie Luftfederung und variable Bodenfreiheit. Bei einer Wattiefe von 65 Zentimeter kann man fast schon den Karpfen in die Augen schauen, LED Scheinwerfer gibt’s serienmäßig, die Felgengrößen variieren von 18 bis 22 Zoll, die Sitzbezüge von Velour bis zu gelochtem Windsor-Leder, das Cockpit gibt sich reduziert elegant mit digitalem Kombiinstrument, versenkbarem Automatik-Wählrad und einem neuen Infotainmentsystem mit zwei 10,2 Zoll-Touchscreens in der Mittelkonsole, die man schon nach kurzer Eingewöhnung intuitiv bedient.
Fahrassistenten? Ja, eh alle die man will oder nicht, der Velar bremst im Notfall autonom braucht auch keinen Fahrer, um die Spur zu halten, dem Vordermann zu folgen und einzuparken, sogar samt einem bis zu 2,5 Tonnen schweren Anhänger am Haken.

Damit es auch ordentlich vorwärts geht, bietet Range Rover drei Diesel mit 180, 240 und 300 PS an, dazu drei Benziner mit 250, 300 und 380 PS aus vier und sechs Zylindern, die feine Achtgang-Automatik und Allrad sind immer an Bord und in der Topmotorisierung dürfen wir damit rechnen in 5,7 Sekunden auf 100 km/h gebeamt zu werden, erst bei 250 km/h ist Schluss. Dass bei solchen Übungen der angegebene Normverbrauch von 9,7 Litern umgehend ins Zweistellige gleitet, versteht sich von selbst.

Bestellungen nimmt der Händler Ihres Vertrauens jederzeit entgegen, der Einstandspreis liegt bei 61.300 Euro, aber so gegen 100 Flocken sollte man schon dabei haben, wenn man in der Motorisierungs- und Ausstattungsdiskussion keine Peinlichkeiten riskieren will. Dafür kriegt man aber auch ein Auto mit ziemlich ultimativem Anspruch.