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Lada Vesta 31.07.2017

Russlands neuer Charme


Ein Tipp vorweg: Sparen Sie den Aufpreis für das angebotene automatisierte Getriebe im neuen Lada Vesta. Endlose Gedenkpause bei Kickdown, lange Zugunterbrechung bei Schaltvorgängen – da vergeht die Freude schon auf den ersten Metern.
Also abgehakt, denn mit dem manuellen Fünfganggetriebe ist der Lada Vesta durchaus eine Überlegung wert:  Eine dank Renault/Nissan Kooperation durchaus modern wirkende Limousinenkarosserie von knapp viereinhalb Metern Länge, entsprechend Platz auch in der zweiten Reihe (40:60 teilbar und bis zu 480 Liter Ladevolumen), ein Einstiegspreis von 12.990 Euro, drei Jahre Garantie, verlängerbar auf fünf Jahre – so will Lada mit dem Vesta auch hierzulande durchstarten.

Nimmt man hinter dem längs- und höhenverstellbaren Lenkrad Platz, gibt’s rätselfreie Bedienung, Front und Heckscheibenheizung, Sitzheizung vorne, Tempomat, elektrische Fensterheber für alle Türen, Isofix und in der Luxusausführung um einen guten Tausender mehr auch Klimaautomatik, Rückfahrkamera und Bluetooth. ABS, ESP und RDS sind vorschriftserfüllend da, der Rest des elektronischen Assistenten-Chichi samt nervigem Gepiepse fehlt und geht einem beim Fahren auch überraschend wenig ab.

Die Sitze haben noch Verbesserungspotenzial, aber eine Bodenfreiheit von 17,8 Zentimetern reicht schon an SUV-Dimensionen heran und auch das Fahrwerk (kein Rennwerk, aber gutmütig, zeigt frühzeitig und harmlos an, wann der Fahrerübermut aufhören sollte) ist offensichtlich sogar für russische Schlaglochdimensionen gerüstet, dazu passen die großen Radläufe in denen problemlos Schneeketten Platz haben und sogar die Türschlösser sollen für den russischen Winter gerüstet sein und garantiert bis minus 30 Grad funktionsfähig bleiben.

Warum allerdings der Tankdeckel nicht an die Zentralverriegelung angeschlossen ist, versteht niemand. Man ist mit demVesta praktisch eine fahrende Selbstbedienungstankstelle, jeder Fremde kann abzapfen oder reinschütten was er will und versperrbare Tankschlösser gibt’s im Zubehörhandel auch schon lang nicht mehr.

Motorisch erwartet den Lada-Piloten ein 1.596 ccm Benziner, der Euro 6b erfüllt und 106 PS (78kW) an die Vorderräder schickt. In 11,8 Sekunden schiebt er den 1.250 Kilo schweren Vesta auf 100 km/h (Automatik: 12,8 Sekunden) und sorgt für Vmax von 180 km/h. Zu überhören ist er dabei nicht, aber bei Autobahngeschwindigkeit ist der Geräuschpegel im Innenraum absolut ok. Ein Testverbrauch von 7,9 Liter Sprit bei engagierter Fahrweise macht den Lada allerdings nicht unbedingt zum Sparmeister.

Bleibt unterm Strich ein robuster Weggefährte, der seine Stärken umso besser ausspielt, je unwirtlicher die äußeren Verhältnisse werden. Viel Auto also für wenig Geld, dazu ein durchaus zeitgemäßes Erscheinungsbild. Auch die Spaltmaße sind durchaus westlich gelungen und eigentlich ist alles da, was man für ein entspanntes, einfaches Autoleben braucht – außer einem Tankschloss. Dafür gibt es ein echtes, vollwertiges Reserverad, für das die deutsche Premiumriege auch bei fünfmal höherem Einstiegspreis noch gnadenlos Aufpreis verlangt.



Lada Vesta:

Motor, Benzin, Euro 6b, 1.596 ccm, 106 PS, 78 kW,
0 – 100 km/h 11,8 sec (Automatik 12,8 sec)
Vmax 180 km/h
Normverbrauch:  6,1 / 6,2 Liter
Testverbrauch: 7,9 Liter
Getriebe: Fünfgang manuell oder automatisiertes Schaltgetriebe.
L/H/B: 4.410 / 1.497 / 1.764 mm
Radstand: 2.635 mm
Kofferraumvolumen: 480 Liter
Einstiegspreis: 12.990 Euro
Luxusausführung/Schaltgetriebe: 13.930 Euro
Preis Testwagen/Luxus + Automatik: 15.030 Euro