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Wo Steine zum Leben erwachen 20.06.2018

Frankreich. Westlich der Rhône präsentiert sich der wilde Süden Frankreichs, die Ardèche, als Naturparadies mit steinreicher Vergangenheit. Très charmant!


Das Naturschauspiel ist gewaltig: Über  60  Meter  stürzen  die Wasser  der  Kaskade  Ray-Pic in die Tiefe, gesäumt wird die weiße Gischt von Büscheln schwarzer, geometrisch geformter Basaltsäulen. Die wundersame Formation ist vulkanischen Ursprungs und sieht aus wie ein Bund Bleistifte, der sich in die Tiefe biegt. Ein Sprichwort sagt: Wer Frankreich kennen will, muss den Eiffelturm und die Cascade du Ray-Pic gesehen haben. Mag sein – doch in Österreich ist die Ardèche so gut wie unbekannt. Völlig zu Unrecht!

Die Basaltsäulen von Ray-Pic nahe des  Dörfchens  Jaujac  sind  nur  eine der verschmitzten Launen der Natur, die  die  Ardèche,  der  „wilde  Süden Frankreichs“, zu bieten hat. Die einzigartige  Landschaft  zwischen  dem Zentralmassiv und der Rhône (quasi westlich  an  die  berühmte  Schwester Provence anschließend) ist ein begehbares  Lehrbuch  für  Geologie.  Hier sind Steine nicht fad und öd, sondern erzählen  faszinierende  Geschichten – in atemberaubenden Schluchten, bei bizarren  Steinformationen,  aberwitzigen  Felstürmen  und  in  geheimnisvollen Tropfsteinhöhlen. „Die Geologie  der  Ardèche  ist  so  vielfältig  wie sonst  nirgendwo“,  erklärt  Baptiste, Naturführer  und  Umweltpädagoge. „Der Hauptteil der Region wurde mit feurigem  Temperament  geprägt  und ist vulkanischen Ursprungs.“

Baptiste weiß noch mehr über die Ardèche  zu  erzählen:  Sie  wird  von verschiedensten Kleinklimata und der jeweils  dazu  passenden  Vegetation geprägt. Die zahlreichen schönen, alten Natursteinhäuser wurden aus jenen Steinen erbaut, die zuvor mühsam für die  Terrassierung  (und  damit  Nutzbarmachung) der Hänge beiseitegeräumt wurden. Die Gehöfte sind auffallend groß – allerdings nicht, weil die Bauern einst so wohlhabend waren, sondern weil  sie  viel  Platz  für  die  Seidenraupenzucht benötigten.

Das spektakulärste Naturphänomen ist zweifellos die Gorges de l’Ardèche, eine der berühmtesten und schönsten Schluchten  Frankreichs.  Auch  diese verdanken wir der Kraft der Vulkane und der Kreativität des Wassers. Hauptattraktion ist der natürliche Felsbogen Pont d’Arc: Er spannt sich mit 60 Meter Breite und 45 Meter Höhe über die engste Stelle der Ardèche-Schlucht.

Die Wasserläufe der Ardèche sind nicht nur wegen ihrer landschaftlichen Schönheit so reizvoll, sie sind darüber hinaus blitzsauber und von der kräftigen Sonne Südfrankreichs auf wohlige Badetemperatur angewärmt. Badenixen  lieben  die  lauen  Gumpen, mutig springen sie von Felsvorsprüngen ins glasklare Wasser. Keinem Architekten dieser Welt fiele eine fantasievollere Badelandschaft ein!

Charme und Charakter.
Nach dieser Erfrischung geht es ans Sightseeing: Zahlreiche entzückende Städtchen mit mittelalterlichem Flair warten. Mit ihren uralten Bruchsteinhäusern kuscheln sich die Orte an die Felswände und sind perfekt in die Natur integriert.  Die  allerschönsten  tragen  das Qualitätszeichen „villages de caractère“ („Dörfer mit Charme und Charakter“). Diese wahren Bilderbuchdörfer putzen ihr historisches Erbe liebevoll heraus. Unsere  charmanten  Favoriten  sind Balazuc,  das  wie  ein  Schwalbennest über dem Ardèche-Fluss klebt, Banne mit  seinen  verschachtelten  Gassen, Labeaume  mit  seiner  Brücke  ohne Geländer (damit sie dem Hochwasser weniger Widerstand bietet), Jaujac mit dem  platanenbeschatteten  Dorfplatz  und Désaignes mit seiner Festung aus dem 12. Jahrhundert.

Weitere  sehenswerte  Höhepunkte sind die zahlreichen Grotten und Karsthöhlen samt prähistorischen Fundstätten  in  der  südlichen  Ardèche:  Mehr als 500 sind bekannt. Die berühmtesten  sind  die  Tropfsteinhöhle  Aven d’Orgnac nahe des Pont d’Arc sowie die  Grotte  Chauvet  mit  den  ältesten Höhlenmalereien der Welt (und eines der ältesten eingetragenen UNESCO-Weltkulturerben): 30.000 bis 32.000 Jahre alte Felszeichnungen in Schwarz, Ocker und Rot zeigen verschiedenste Tier-arten. Aus Schutzgründen ist die Höhle für die Öffentlichkeit nicht zugänglich,  doch  ein  gut  gemachtes Museum  in  Vallon-Pont-d’Arc  zeigt Nachbildungen der ausdrucksstarken Höhlenbilder.