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Auf den Spuren der Hanse 30.08.2018

Norddeuschland. Wenig bekannte Hansestädte voll stolzer Backsteingotik und maritimen Flair, endlose Sandstrände, Natur pur im Bodden und uralte Seefahrertraditionen: an der Ostsee-Küste gibt es viel zu entdecken.


Hamburg, Lübeck, Bremen – diese Namen kennt wohl jeder als große, bedeutende Hansestädte. Aber Stralsund, Greifswald oder Demmin – nie gehört? Auch diese Kleinode gehören dem weltweit größten Kaufmanns- und Städtebund an. Die Hanse wurde Mitte des 12. Jahrhunderts von gotländischen Kaufleuten in Lübeck ins Leben gerufen, ursprünglich als Schutzgemeinschaft gegen Piraten, Raubritter und überhöhte Zölle. Daraus entstand Europas erste Wirtschaftsunion, der zeitweise fast zweihundert Städte angehörten. Die Hanse prägte die Entwicklung Norddeutschlands über Jahrhunderte, dank Freihandel gelangten viele Städte zu Wohlstand – und stellten ihn auch zur Schau.

Wertvolle historische Kultur- und Baudenkmäler und allgegenwärtige uralte Seefahrerromantik: Abseits der großen Touristenströme offenbart der „Ferne Osten“ Vorpommerns – die Ostsee-Region an der Grenze zu Polen – Erstaunliches und Unbekanntes. Sowohl zum Thema Kultur als auch Natur. Versteckt zwischen den Urlaubsinseln Rügen und Usedom liegt etwa das Studenten-Städtchen Greifswald, eines der schönsten Ziele an der Ostseeküste. Allein die Lage im Greifswalder Bodden (unter Bodden versteht man ein mit Inseln oder Landzungen vom Meer abgetrenntes, fl aches Küstengewässer) begeistert.

Zeitzeugen. Backsteingotik und Barock, Jugendstil und Klassizismus: Greifswald konnte sich das Bauen in allen Stilepochen leisten. Die bewegte Geschichte wurde nicht nur von der Hanse, sondern auch von der fast 200-jährigen Schwedenherrschaft geprägt. Das hinterließ historische Prunkbauten, vorwiegend in roter Backsteingotik. Die imposanten Giebelhäuser am Alten Marktplatz, das ochsenblutrot angestrichene Rathaus, der Backstein-Dom St. Nikolai, das Kloster Eldena sowie die Kirchen St.Marien und St. Jacobi gaben dem historischen Kern den Beinamen „Backsteinrotes Herz“. Kleine, verwinkelte Gassen verraten den Berufsstand ihrer einstigen Bewohner und der ehemalige – ebenfalls ziegelrote – Befestigungswall präsentiert Gartenbaukunst aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Doch es geht keineswegs museal zu: 12.000 Studenten beleben das 58.000-Seelen-Städtchen. Die bereits 1456 gegründete Universität – und damit zweitälteste Uni Nordeuropas – sorgte stets für ein offen-geistiges Klima. Das barocke Uni-Hauptgebäude zählt zu den prächtigsten Häusern in Greifswald. Berühmtestes Kind der Stadt aber ist der romantische Maler Caspar David Friedrich: Er hielt zahlreiche Motive der Region in seinen Bildern fest. Sein Werk kann man im Caspar-David-Friedrich-Zentrum in der Geburtsstätte des Malers bewundern.

Einen guten Rundblick über das Hansestädtchen bis hin zur Insel Rügen bietet die Aussichtsplattform am Turm des Domes St. Nikolai. Richtung Meer erspäht man den größten Museumshafen Deutschlands: Er wurde 1991 nach seinen Vorbildern in Flensburg und Hamburg gestaltet. Gaffelketsch und Schoner, Seequatze und Rammschiff, Kreuzer und Kragejolle – diese Namen historischer Schiffe und Frachtsegler sind uns Binnenländern völlig unbekannt. Rund 45 davon schaukeln hier im Wasser, einige bieten Ausfl ugsfahrten und Mitsegeltörns an.

Der Museumshafen ist auch Hotspot und Szenetreff, zahlreiche gemütliche unterstreichen den maritimen Flair der Stadt. Die 1887 erbaute, historische Holz-Klappbrücke (die immer noch per Hand hochgezogen wird) führt ins Fischerdorf Wieck, einem Stadtteil von Greifswald.

Seefahrer-Romantik. Die Ostseeküste gefällt mit endlosen Sandstränden, steilen Klippen und uralten Seefahrer-Traditionen – auch wenn der Fischfang immer mehr an Bedeutung verliert. Rund 30 Kilometer nordöstlich, im Greifswalder Bodden, liegt Freest, einer der ältesten Fischerorte Deutschlands. Reetgedeckte Häuser säumen die mit Kopfstein gepfl asterten Straßen, verwitterte Anker schmücken die Vorgärten, gelbe Häuschen zieren den Hafen, und Boote schaukeln am Kai. Früher war Freest der Heimathafen für hunderte Küstenfi scher, heute haben nur noch 22 hier ihre Kutter liegen. Doch Interessierte können die Fischer noch live erleben, ihnen nicht nur in Freest, sondern auch in Lassan, Mönkebude und Wieck nahe Greifswald bei der Arbeit zusehen und direkt bei ihnen Fisch kaufen. Frischer geht’s nicht!