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Land am und im Wasser 15.06.2017

Holland


Mit seiner flachen Landschaft und Nähe zum Wasser bietet Holland Urlaubserlebnisse der anderen Art – ganz speziell für Radfahrer.


Holland ist flach wie eine Pa latschinke, die höchste Er hebung ist gerade mal 323 Meter hoch. Was das Land viel spannender macht, sind seine Tiefen, die sogar unter das Meeresniveau reichen. Satte 26 Prozent der Niederlande liegen unter dem Meeresspiegel, der tiefste Punkt ist mit minus 6,75 Metern bei Nieuwerkerk aan den IJssel nordöstlich von Rotterdam erreicht! Das prägt Land und Bewohner: Die exakt 1048 noch existierenden Windmühlen und 108 Wassermühlen sind Ausdruck des jahrhundertealten Kampfes gegen das Wasser.

Bei Kinderdijk in Südholland bestaunen Interessierte, wie sich die Holländer seit über 1000 Jahren mit der Trockenlegung von Land auseinandersetzen: 19 Windmühlen, alle um 1740 erbaut (UNESCO-Weltkulturerbe), sind Teil eines umfangreichen Wasserwirtschaftssystems zur Prävention von Überflutungen – und bis heute Symbol für Hollands gekonntes Wassermanagement.

Kinderdijk und seine Windmühlen zählen zu den meistfotografierten Orten Hollands, das so typische BilderbuchEnsemble wird malerisch von Wasserläufen, Deichen und Schleusen gerahmt. Keinesfalls versäumen sollte man die beiden Museumsmühlen und die Molenwerkplaats: Diese WindmühlenWerkstatt zeigt Funktionsweise und die mühevolle Instandhaltung der historischen Mühlen. Beemster und Schemer, ebenfalls Weltkulturerbe und knapp nördlich von Amsterdam gelegen, stellen das älteste, vom Meer gewonnene Land dar. Die einzigartigen Poldergebiete sind ein Meisterwerk der Landgewinnung: Vor über 400 Jahren, zwischen 1607 und 1612, gelang es erstmals, Land (das bis dahin noch ein See war) einzudeichen und mithilfe von 43 Windmühlen trockenzulegen. Dieser See, der Beemster, veränderte sich im Laufe der Zeit in eine wunderschöne Landschaft, die 3,5 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und von geometrischen Mustern mit Rechtecken und Quadraten geprägt ist. Flevoland hingegen ist die zwölfte und jüngste Provinz der Niederlande und wurde erst 1986 dem Jisselmeer nahe Amsterdam abgetrotzt.

Auch Amsterdam, die Hauptstadt der Niederlande, ist vollständig am Wasser errichtet und die größte Pfahlsiedlung der Welt: Allein die Centraal Station (Bahnhof) ruht auf 9000 Stützen, das Koninklijk Paleis (königliche Residenz) auf 13.670. Mehr als 2000 Brücken führen über die in konzentri scher Hufeisenform angelegten Grachten. Der Kanalgürtel mit den vier Hauptkanälen Singel-, Heren-, Keizersund Prinsengracht (ebenfalls UNESCOWeltkulturerbe) begeistert jedes Mal aufs Neue. Dieses berühmte Puppenstuben-Amsterdam bildet die größte historische Innenstadt Europas mit pittoresken Häusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Im Wasser spiegeln sich die Glocken-, Hals-, Schnabel-, Stufen- und Leisten-Giebel der betagten Backsteinhäuser. Manche sind nicht breiter als 3,5 Meter, viele neigen sich bedenklich zur Seite oder nach vor.

Insider wissen: Vornüber geneigte Häuser wurden absichtlich aus der Flucht gebaut, damit Regenwasser und Feuchtigkeit leichter abfließen können. Seitliche Schieflagen hingegen sind ein Alarmsignal und deuten auf morsche Pfähle darunter hin.

Radland Holland. In Amsterdam kursiert folgende Redensart: Die Grachten sind rund drei Meter tief – ein Meter Wasser, ein Meter Sand und ein Meter versenkte Fahrräder. Doch nicht nur Amsterdam, ganz Holland rollt am Fahrrad und ist mit insgesamt 35.000 Kilometer Radwegen ein Paradies für Radler. Mit rund 22,3 Millionen Exemplaren gibt es hier mehr Fahrräder als Einwohner. Die international führende Radfahrnation bietet mit ihrer flachen Landschaft und gut ausgeschilderten Routen ideale Rad-Bedingungen – auch für Urlauber.

Bekanntlich feiert das Fahrrad heuer seinen 200. Geburtstag (siehe dazu auch S. 36). Das Niederländische Büro für Tourismus ehrt den rollenden Jubilar 2017 mit der Kampagne „lekker radeln“ und stellt dabei Genuss-Radrouten quer durchs Land ins Rampen licht („lekker“ bedeutet übrigens auch: sich wohlfühlen oder etwas schön finden). Die Webpage www.lekkerradeln.de führt zu FeinschmeckerLokalen und Bauerncafés, Dünen und Picknickwiesen, Schlössern und Naturgebieten, zu Tulpenfeldern , Käsemärkten sowie in historische Hansestädte und Nationalparks. Ein nummeriertes Knotenpunktsystem, das sich durch die gesamten Niederlande zieht, weist zweifelsfrei den Weg.