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Turbulent, aber stabil 10.02.2019

Autojahr. Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Der heimische Markt hat die Erwartungen zwar nicht ganz erfüllt, aber dennoch gut performt. WLTP sorgte im Herbst für Verkaufsrückgänge und erstmals wurden mehr Benziner als Diesel verkauft.


Wir blicken auf ein bewegtes Autojahr 2018 zurück: Ab gastests an Affen, tödlicherUnfall mit einem selbstfahrenden Auto, Verhaftungen von Spitzenmanagern in der Autoindustrie und erste Dieselfahrverbote in deutschen Städten. Das waren die Bad News, die 2018 bei uns hängen geblieben sind. Auf der anderen Seite stehen die starken Anstrengungen der Hersteller, künftig moderne und saubere Produkte auf den Markt zu bringen. Nach der Aufarbeitung des Dieselskandals stand vergangenen Herbst mit der Umstellung auf die neue Abgasmessmethode WLTP den Herstellern auch gleich die nächste Hürde ins Haus. „Auch wenn die Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden, war 2018 ein gutes Autojahr“, fasst Günther Kerle, Sprecher der heimischen Autoimporteure, das abgelaufene Jahr zusammen. Solide. Mit 341.068 Neuzulassungen im Jahre 2018 schließt der Handel das vergangene Jahr mit einem Minus von 3,5 Prozent ab – aber immerhin das drittbeste Ergebnis der letzten sieben Jahre. „Die praktisch übergangslose Einführung von WLTP stellte die Industrie vor extreme Herausforderungen“, erklärt Kerle die Rückgänge im Herbst.
„Die dadurch erfolgten Vorziehkäufe, die daraus resultierende höhere NoVA und ein eingeschränktes Modellangebot haben den Markt im letzten Quartal stark unter Druck gebracht.“
Besonders die durch das WLTP-Messverfahren gestiegene NoVA brennt der Industrie unter den Nägeln, sie plädiert für eine gänzliche Abschaffung jener Normverbrauchsabgabe und hofft auf eine neue Lösung im Rahmen einer
anstehenden Steuerreform. Dass „die NoVA in dieser Form keine Zukunft hat“ ließ auch Verkehrsminister Norbert Hofer anlässlich der Vienna Autoshow im Jänner bereits anklingen und betonte, er wolle dem Finanzminister aber nicht vorgreifen.
Benziner überflügelt Diesel. Das Thema Diesel ist aber noch immer ein heißes Eisen. Während in Deutschland 2018 schon erste Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge ausgesprochen wurden, halten in Österreich sowohl der Verkehrsminister als auch Wiens Bürgermeister
Ludwig (siehe Interview auf S. 36 dieser Ausgabe) wenig von derartigen Einschränkungen.
Dass der Dieselskandal aber nicht ganz spurlos am Markt vorüberge gangen ist, belegen die Zahlen 2018. Vergangenes Jahr zeigten sich die ersten Einbrüche bei Dieselkäufen, erstmals (abgesehen vom Ökoprämienjahr 2009) liegt der Benzinanteil (54 %) über jenem des Diesels (41,1 %). Wurden 2017 noch 175.458 neue Selbstzünder zugelassen, so waren es vergangenes Jahr nur 140.111, was einem Rückgang von 20 Prozent entspricht. Im Gegensatz dazu konnten die Benziner von 163.701 (2017) um 12,5 Prozent auf 184.150 Neuzulassungen zulegen.
SUV im Trend. Und noch eine Konstante hat sich geändert. Erstmals hat 2018 auch das Segment der Geländefahrzeuge und SUVs (31,3 %) jenes der seit vielen
Jahren dominierenden Kompaktklasse (24,8 %) überholt. Höhere Sitzposition und cooler Abenteuer-Look sind nach wie vor groß in Mode und meist auch wichtiger als der Allradantrieb. Auch der Anteil der Neuwagen mit alternativen Antrieben stieg von vier Prozent (2017) auf 4,9 Prozent (2018). Den wichtigsten Anteil machen hier die Benzin-Hybride aus (8353 Stück).
Ein Viertel mehr E-Autos. Und auch bei den E-Autos ging es bergauf, 2018 wurden rund ein Viertel mehr Elektroautos angemeldet (6757) als im Vergleichsjahr 2017. Diese Stromer sind aber vorwiegend als Firmenautos im Einsatz, der Wegfall des Sachbezugs spielt hier eine bedeutende Rolle.
Auch die staatlichen Förderungen für den Kauf von E-Fahrzeugen werden bis 2020 verlängert (Details auf https://www.bmvit.gv.at/verkehr/elektromobilitaet/foerderungen/emob offensive.html). Darüber hinaus soll es auch Erleichterungen bei der Errichtung von Ladestationen in privaten Haushalten geben. Insgesamt rückläufig ist die Zahl der Neuzulassungen bei Zweirädern mit minus 6,4 Prozent. Den sinkenden Verkaufszahlen bei Mopeds (–23,7 %) steht jedoch ein Plus von 4,7 Prozent bei Motorrädern gegenüber. Für 2019 bleibt die Branche unterm Strich vorsichtig optimistisch ...