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„Wir sollten uns alle weniger ernst nehmen“
Der Kabarettist und Autofan startet im Oktober mit neuem Programm und spricht über Erfolg, Mobilität und was guten Humor ausmacht.
Man kennt ihn als „Schmähbruder“ der Nation und begnadeten Parodisten. Alex Kristan ist einer der beliebtesten und erfolgreichsten Spaßmacher des Landes (Österreichischer Kabarettpreis 2024, Salzburger Stier 2025) und stemmt sich scheinbar mühelos mit viel Witz und scharfem Blick auf die Gesellschaft gegen den Ernst des Lebens.
Im Oktober startet sein neues Programm „Born to be Child“. Wir trafen den Kabarettisten, der auch bekennender Autofan ist, im Globe-Theater in Wien zum Gespräch.
Ihr bisheriges Programm „50 Shades of Schmäh” ist überaus erfolgreich. Was macht den Erfolg aus?
Ich habe das Programm ca. 350 mal gespielt und ich denke, dass der Erfolg darauf beruht, dass sich viele Menschen darin selbst wiederfinden, weil das Älterwerden ja mit all seinen Facetten und auch Tücken ja jeden ab dem Tag der Geburt betrifft.
Wie schwer fällt es, ein erfolgreiches Programm loszulassen?
Es fällt mir immer schwer ein Programm loszulassen, das nicht nur sitzt, wo man den Text auch im Schlaf kann und damit auch spielen, improvisieren und aus der Spur fahren kann, sondern sich auch so großer Beliebtheit erfreut, dass ich es über drei Jahre lang durchgehend ausverkauft spielen durfte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Da spüre ich auch eine sehr große Dankbarkeit und Demut.
Was macht der Erfolg mit einem?
Ich glaube nicht, dass mich der Erfolg verändert hat. Ich höre das auch sehr oft von meinem engeren Umfeld, dass das so ist. Das ist mir auch wichtig, weil ich der Meinung bin, dass man sich immer bewusst sein sollte, dass Erfolg kein Abo oder Dauerzustand ist, sondern eine Karriere immer einen Beginn einen Zenith und ein Ende hat. Dementsprechend ist es wichtig etwas zu haben, dass einem mit Freude und Zufriedenheit erfüllt, wenn das Licht auf der Bühne erloschen und er Applaus verhallt ist. Wenn man sich ausschließlich über seinen Status als gefeierter Bühnenstar definiert und nur Glücksgefühle empfindet, wenn man auf der Bühne steht, stell ich mir die Zeit nach der Karriere sehr schwierig vor.
Ihr neues Programm heisst „Born to be Child”. Worum geht‘s?
Der Titel ist ein Malapropismus des 70er Jahre Songs „Born to be wild“ der Band Steppenwolf. Es geht in diesem Solo eigentlich weniger um eine Anstiftung zur Infantilität oder Unreife, sondern vielmehr um das Schaffen eines Bewusstseins, dass wir uns etwas weniger ernst nehmen sollten. Gerade in den Wirren dieser Zeit, ist es umso wichtiger sich zu erlauben, spontan albern zu sein oder herumzublödeln. Das dient dem Stressabbau und ist gut für unsere mentale Gesundheit.
Wie entsteht ein neues Programm?
Das Entstehen eines neuen Programms, ist ein doch recht arbeitsintensiver Prozess mit einer Mischung aus Zuversicht und Zweifel. Kreativität ist leider nicht auf Knopfdruck abrufbar. Ich lasse mich von äußeren Einflüssen inspirieren, von Erlebnissen, von Eindrücken, die ich versuche auf Bühnentauglichkeit und Humorpotential zu überprüfen.
Was macht guten Humor aus?
Humor ist eine Art Ventil, das gegen emotionale Überforderung wirkt und sich natürlich im Laufel der Zeit verändert – so wie auch die Gesellschaft. Humor ist vor allem aber immer Geschmackssache. Abhängig von sozialer Schicht, Kulturkreis, Geschlecht, religiöser Prägung und auch geistiger Reife, lachen Menschen über die unterschiedlichsten Dinge. Insofern sollte man sich als Komiker recht rasch vom Gedanken verabschieden es allen im Publikum gleichermaßen recht machen zu können.
Wie schwer hat es Humor ist es in einer immer korrekter werdenden Welt?
Satire ist intrinsisch politisch inkorrekt. Ich bin der Ansicht, dass diese teils schon grotesken Auswüchse, die dieser ganze Political Correctness-Hype mit sich bringt, dazu geführt hat, dass sich die Menschen müde toleriert haben. Ich glaube nicht, dass durch diese ganze Wokeness und Genderdebatten Frauen sichtbarer werden bzw. dass die Endung –„innen“ zu einem verbesserten Selbstwertgefühl der Frauen führt. Zwischen Mann und Frau sollte meinem Verständnis nach die Gleichstellung im Vordergrund stehen und nicht die Gleichsetzung! Die Töchtersöhne in der Bundeshymne kann man schon machen, aber wichtiger wäre davor sicherzustellen, dass eine Frau bei gleicher Qualifikation das gleiche Gehalt bekommt wie ihr männliches Pendant. Meine Meinung ist, dass wir darauf Acht geben müssen,uns nicht irgendwann in einer blutleeren, lustfeindlichen und schmähbefreiten Gesellschaft wiederzufinden, die sich über nichts und niemanden mehr lachen traut aus Angst jemanden beleidigen zu können. Eine Gesellschaft, der der Humor abhanden gekommen ist, ist verloren.
Was motiviert Sie (immer wieder) auf die Bühne zu gehen?
Die nach wie vor vorhandene Freude am Tun selbst. Menschen zwei Stunden lang aus ihrem Alltag abholen zu können und zum Lachen zu bringen ist ein wunderbarer Job. Natürlich merke ich, je älter ich werde, dass ich dieses Pensum von über 100 Shows pro Jahr nicht ewig absolvieren werde können. Aber das ist ein ganz natürlicher Prozess, der mir auch keine Sorgen bereitet. Wenn man Mitte Fünfzig ist, werden die Erholungsphasen auf Tour eben immer ein bisschen länger bzw. die Anforderungen an Körper und Geist verändern sich und dem muss man Rechnung tragen und entsprechend darauf reagieren.
Sie sind viel unterwegs - wie wichtig ist das Auto für Sie?
Das Auto ist für mich sehr wichtig, weil es mich als Transportmittel auf meiner Tour mit rund 100 Terminen quer durch Österreich und Süddeutschland führt. Da kommen pro Jahr schon an die 40.000 km zusammen, die ich nur im Auto verbringe. Da ist mir ein gewisses Maß an Komfort und vor allem auch Sicherheit sehr wichtig.
Wie stehen Sie zum Thema Auto?
Ich glaube ich bin das, was man einen typischen „Carguy“ nennt. Mein erstes Wort war nicht Mama oder Papa sondern Auto. Ich bin jemand der sich sehr für Autos interessiert, wobei ich allerdings sagen muss, dass ich auch auf die Gefahr hin als ewiggestrig zu wirken, den Autos die noch Charakter und Gesicht hatten, wie z.B. Oldtimern oder Youngtimern mehr abgewinnen kann, als aktuellen E-Fahrzeugen.
Für mich ist ein 12-Zylinder-Motor nicht nur ein Aggregat sondern ein Kunstwerk. Ich glaube Enzo Ferrari würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass Ferrari ein Elektro-Auto baut. Ich möchte die E-Mobiliät per se nicht schlecht reden, aber ich denke, es kommt stark auf das Nutzerprofil an. Für mich ist es absolut undenkbar, weil ich größtmögliche Flexbilität brauche und ohne Nachdenken auch einfach mal 1000 km am Stück ohne tanken nach Tirol und zurück fahren kann, ohne meine Routenplanung nach Ladesäulen orientieren zu müssen. Ich glaube, dass das Elektroauto in Großstädten durchaus Sinn macht, optimalerweise mit Car-Sharing. Im privaten Bereich meiner Ansicht nach nur, wenn man keine weiten Strecken fahren muss, bzw. der Strom für das Fahrzeug aus einer eigenen PV-Anlage produziert wird.
Mit Öffis fahre ich eigentlich so gut wie nie, weil ich einfach zu gern Auto fahre. Nicht immer nur aus beruflichen Grunden sondern aus irrationaler Freude, weil ichs einfach gern mache. Beim Bike, bin ich mittlerweile beim E-Bike angekommen und liebe es damit 40 bis 50km durch die Wälder zu fahren.
Social Media & KI - Wie denken Sie darüber?
Ich habe zu Social Media ein sehr ambivalentes Verhältnis. Einerseits nütze ich es natürlich selbst als Marketinginstrument im Rahmen meiner Tätigkeit als öffentliche Person um meine Aktivitäten mit großer Reichweite kommunizieren zu können. Private Profile betreibe ich allerdings nicht, weil sich mein Bedürfnis die Welt über meinen Tagesablauf zu informieren in sehr überschaubaren Grenzen hält. Ich glaube bei Social Media, dass die Dosis das Gift macht. Die entscheidende Frage ist die Nutzung. Nütze ich es oder werde ich als User benützt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mich nach dem Ende meiner Karriere wieder komplett aus der Social Media-Welt zurückziehe, meine Kanäle stilllege und meine Zeit ausschließlich realen Menschen und dem echten Leben widme. Was das Thema K.I. angeht bin ich ebenfalls eher skeptisch. Die K.I. wird zweifellos vieles erleichtern und auch neue Möglichkeiten bieten. Aber eben nicht nur. Stichwort Deepfakes oder manipulative Desinformation. Man muss ja nur im Internet googeln, was Physik Nobelpreisträger Geoffrey Hinton, der als einer der Gründerväter der KI gilt, dazu für Aussagen tätigt. Das sollte uns alle sehr nachdenklich stimmen.
Was wären Sie gern geworden, wenn Sie kein Kabarettist wären?
Ich wollte immer Profifussballer werden, leider hat mein Talent und auch mein Ehrgeiz dazu nicht gereicht. Im Nachhinein bin ich froh, dass daraus nichts geworden ist, denn dann wäre ich wahrscheinlich schon seit 20 Jahren in Pension.
Wie lustig ist ein Kabarettist privat? Wie kindisch ist Alex Kristan?
Ich bin von Natur aus ein humorvoller Mensch und habe mir ein hohes Maß an Kind im Manne beibehalten. Ich lache gern oder wie man in Österreich sagt „ich mag‘s wenn der Schmäh rennt“ und hab auch immer wieder diverse Practical Jokes auf Lager um mein Umfeld daran zu erinnern mit wem sie es zu tun haben.
Ihr Traum/Wunsch?
Gesundheit. Alles andere lässt sich immer irgendwie arrangieren.