Reisen und Freizeit

Berge, Brauchtum, Besinnlichkeit

Osttirol. Die Region begeistert mit Ursprünglichkeit, intakter Natur, unberührten Landschaften und liebevoll gepflegten Traditionen. In der Vorweihnachtszeit und im Winter zeigt sich „das Bergtirol“ von seiner idyllischsten Seite.

Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben: Oberhalb der ansteigenden, weiten, sonnenverwöhnten Hoch(alm)fläche des Tiroler Lesachtals träumt Obertilliach vor sich hin. Das Bergdorf auf 1.450 Metern Höhe ist eine alpine Besonderheit und gilt als eines der schönsten im ganzen Alpenraum. Der geschlossen erhaltene, denkmalgeschützte Ortskern mit schmucken, traditionellen Bauernhäusern aus wettergegerbtem Holz, urigen Heuschobern, engen, malerischen Dorfgassen und der Pfarrkirche St. Ulrich könnte einem Bilderbuch entsprungen sein.

Legendär ist der Nachtwächter von Obertilliach. Dereinst hatte er eine wichtige Funktion: Die enge Bauweise der Holzhäuser barg große Brandgefahr und immer wieder bedrohten italienische Räuberbanden das Dorf. Heute ist der Nachtwächter-Auftritt touristischer Natur: Ausgerüstet mit Wetterfleck, Hellebarde und Laterne zieht er – übrigens als letzter in Österreich – zwei Mal pro Woche zum Rundgang aus, intoniert das alte Nachtwächterlied und weiß viel über das schmucke Bergdorf zu erzählen.

Stille Zeit im Schnee. Bei sportlichen Wintergästen punktet Obertilliach als Paradies für nordischen Wintersport. Langlaufen ist intensives, gelenkschonendes Ganzkörpertraining, das kraftvolle Gleiten durch die stille Natur fördert mentale und geistige Entspannung. Schneesicherheit von Mitte November bis Mitte April lockt nicht nur Alltagsfans der schmalen Brettl an, sondern auch Spitzensportler sowie die Welt­ elite der Biathleten. Das Osttiroler Langlauf- und Biathlonzentrum ist nicht nur Mittelpunkt internationaler Langlauf-Großevents (z. B. Dolomitenlauf, 16. bis 18. Jänner 2026), sondern bietet auch Anfängern die Möglichkeit, in die faszinierende Sportart Biathlon hineinzuschnuppern. Die Bedingungen rund um Obertilliach sind so ideal, dass sie einen neuen, prominenten Gemeindebürger für immer fesselten: der elffache Olympiasieger und Weltmeister im Biathlon, Ole Einar Bjørndalen lebt seit 2003 hier.

Insgesamt weist Osttirol mehr als 400 Kilometer gespurter Loipen auf: Sie stehen von den Tallandschaften über Hochplateaus bis hin in Bergregionen auf 2.052 Meter Höhe Fans des klassischen Stils sowie Skatern in allen Schwierigkeits­ graden zur Verfügung. Höchste Loipen­ qualität und moderne Infrastruktur sind eine Selbstverständlichkeit. Auch Schneeschuh- und Winterwanderer finden in der ursprünglichsten, stillsten und authentischsten Ecke Tirols ein breites Angebot. Die Landschaft strahlt Erhabenheit aus: Rundum sorgen 265 Dreitausender-Gipfel – vom Großglockner (mit 3.798 m höchster Berg Österreichs), über den Karnischen Grenzkamm bis zu den Lienzer Dolomiten – für ein einzigartiges Panorama. Die beiden malerischen, zertifizierten Bergsteiger- und Winterwanderdörfer Kartitsch und Prägraten am Großvenediger bieten ideale Voraussetzungen für ausgedehnte Märsche im Schnee. Die tief verschneite Wintermärchenlandschaft dämpft jeden Schritt, Ruhe kehrt ein. Bei den Winterwandertagen Kartitsch Ende Januar 2026 laden geprüfte Wanderführer zu sportlicher Betätigung in geselliger Runde ein.

In der Vorweihnachtszeit zieht der Duft von Glühwein durch die klare Bergluft, romantische Adventmärkte spiegeln den Charakter der Region wider: traditionsbewusst, einladend und mit viel Liebe gestaltet. Idyllische Hütten und Stände, kulinarische Schmankerl, Lichterketten und offenes Feuer verwandeln den Lienzer Hauptplatz ab 21. November 2025 in ein märchenhaftes Winterdorf. Das Rathaus von Lienz (Osttirols Hauptstadt) präsentiert sich als überdimensionaler Adventskalender. Besinnlich geht es auch in Sillian, Heinfels, im Villgratental (hier wird das Christkind aufgeweckt), bei der Bergweihnacht in Kartitsch oder bei Glasbläsern und Glücksschmieden in Anras zu.

Zwischen Weihnachten und Dreikönig wird noch die uralte Tradition der Rauhnächte zelebriert. Typisch ist das Räuchern mit Heilpflanzen, die im Sommer auf den Almen gesammelt wurden. Das 2020 gegründete Heilräucherwerk in Lienz pflegt dieses alte Kulturgut. Gründerin Christine Wallensteiner mischt aromatische Kräuter und Blüten mit hochwertigen Harzen und gibt das uralte Wissen des Räucherns und seiner reinigenden Kraft gerne weiter.

Feinschmeckerland. Feinschmecker werden in zwölf Osttiroler Hauben-Restaurants verwöhnt – 2025 wurden sie von Gault&Millau mit insgesamt 25 Hauben ausgezeichnet. Die kulinarische Vielfalt reicht von traditionell-alpiner Küche über kreative Alpe-Adria- und Fischgerichte bis hin zu modernen Interpretationen mit internationalen Einflüssen. Kulinarisches Aushängeschild Osttirols sind die deftigen Schlipfkrapfen: halbmondförmige Teigtaschen, gefüllt mit Kartoffeln, Kräutern undGewürzen. Die Statistik weiß: Jeder Osttiroler verdrückt pro Jahr 232 Stück von diesem Powerfood. Natürlich dürfen auch Gäste diese Köstlichkeit nicht verpassen – oder sie lernen deren Zubereitung selbst.