Reisen und Freizeit

Stadt der Liebe, Neugier und Kultur

Slowakei. Trencˇín im Nordwesten der Slowakei ist eine wahre Städteperle, doch so wie die Region rundum kaum bekannt. Das sollte sich heuer ändern: Trencˇín, die Europäische Kulturhauptstadt 2026, ist unbedingt eine Reise wert.

Es ist ein gewaltiges, himmelstrebendes Bauwerk hoch oben auf einem steilen Fels: Die Burg von Trenčín im Nordwesten der Slowakei ist eine der größten frühmittelalterlichen Festungen unseres Nachbarlandes und steht der steirischen Riegersburg um nichts nach. Der weitläufige Komplex mit Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert umfasst drei Paläste, Bastionen, Verteidigungsanlagen sowie mehrere Türme, darunter der 39 Meter hohe Bergfried. Die Burg hat in ihrer Geschichte viel erlebt: Sie war Grenzfestung gegen die mongolischen Tataren und die Osmanen, Adelssitz, ungarische Königsresidenz, Knotenpunkt des wichtigen Handelsweges entlang des Flusses Waag (Váh) sowie politische Bühne für richtungsweisende Verträge. Ende des 15. Jahrhunderts wuchs sie zu ihrer jetzigen eindrucksvollen Größe heran.

„Trenčiansky hrad“ (so der slowakische Name) kann aber auch eine entzückende Liebesgeschichte erzählen: Burgherr Stefan Zápolsky nahm nach einer siegreichen Schlacht gegen die Türken die bildschöne Fatima gefangen. Omar könne seine Geliebte nur befreien, wenn er aus dem harten Kalkfels Wasser sprudeln ließe – so die Forderung. Omar grub drei Jahre lang einen Brunnen – so tief wie seine Liebe zu Fatima (profan ausgedrückt: 80 Meter). Endlich kam er an das begehrte Nass und reichte Zápolsky eine Schale davon mit den Worten: „Dein Herz ist härter als der Burgfels!“ Fatima kam frei. Der „Brunnen der Liebe“ existiert bis heute – genauso wie das Gasthaus Fatima unterhalb der Burg. Beides Pilgerziele für Verliebte und Hochzeitswillige.

Zu Füßen der Burg Trenčín liegt die pittoreske, denkmalgeschützte Altstadt mit bunten Bürgerhäusern, der barocken Piaristenkirche, interessanten Museen und Galerien, dem zentralen Friedensplatz (Mierové námestie) und einer lebendigen Kunst- und Lokalszene. Beim altehrwürdigen Hotel Elizabeth bezeugt eine Felsgravur aus dem Jahr 179 nach Christus das römische Militärlager Laugaricio und die Anwesenheit Marc Aurels.

Die reich mit farbprächtigen Art Nouveau- und byzantinischen Elementen verzierte Synagoge aus dem Jahr 1913 überlebte, zweckentfremdet als Lagerhaus und Pferdestall, den NS-Terror. In den letzten drei Jahren wurde sie aufwendig restauriert und dient nun als Bühne für (Klezmer-)Konzerte.

Kulturhauptstadt 2026. Im heurigen Jahr punktet das 55.000-SeelenStädtchen (ab Wien ist es per Auto oder Bahn in knapp zweieinhalb Stunden erreichbar) doppelt bei seinen Besuchern: Trenčín ist Kulturhauptstadt Europas 2026 (übrigens gemeinsam mit Oulu in Finnland). Unter dem Motto „Awaking Curiosity“ (Neugiererwecken) steht das Projekt für langfristige Erneuerungen, die die Stadt und ihre Region nachhaltig prägen und verbessern sollen. Alte Orte werden wiederbelebt, kulturelle Erfahrungen erweitert, neue Möglichkeiten geschaffen und Verbindungen zu Europa gestärkt. Von der jungen Generation getragen und unter Einbeziehung der gesamten Bevölkerung baut der Trenčín-2026Eventreigen transformative Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, verbindet die Geschichte mit Einwohnern und Besuchern und verschmilzt kreativ Fantasie mit Realität.

Das Eröffnungsfestival vom 13. bis 15. Februar 2026 legte einen fulminanten Start hin und macht Lust auf mehr. Das ganze Jahr über findet ein vielfältiges Programm statt: Die Festivals „Light up the City“ setzen das historische Zentrum und die Festung spektakulär mit Lichtkunst- und Laserinstallationen in Szene. Ökologische Interventionen machen das Umland neu erlebbar. Im Sommer wird die alte lokale Tradition „Splanekor“ mit handgefertigten Booten auf der Waag wiederbelebt. An verschiedenen Orten gibt es Ausstellungen renommierter nationaler und internationaler Künstler. Die Architekturtage heben städtische Innovation hervor; Workshops und Kooperationsprojekte feiern nachhaltige Mode sowie lokale Designer.

Ab September präsentiert sich die alte Eisenbahnbrücke mit ihren Uferbereichen frisch belebt als neuer, teils schwimmender Multi-Genre-Kultur- und Party-Hotspot („Fiesta-Brücke“) und wird mit dem großen Fiesta-Festival eröffnet. Im Oktober bringt das Altofest experimentelles Theater nach neapolitanischem Konzept. Krönendes Ende ist das Abschlussfestival im Dezember.

Das Umland von Trenčín lockt ebenfalls – mit Natur pur, historischen Sehenswürdigkeiten und gelebten Traditionen. Čičmany inmitten idyllischer Hügellandschaft gilt als schönstes Dorf der Slowakei. Typisch sind historische Holzhäuser mit urigen weißen, geometrischen Ornamentverzierungen. Der Besuchermagnet Schloss Bojnice wurde ursprünglich im 12. Jahrhundert aus Holz errichtet, wuchs stetig und erfuhr um 1900 einen umfassenden, romantisierenden Umbau nach Vorbild der Loire-Schlösser in Frankreich. In den Kleinen Karpaten warten charmante Dörfer, weitere Burgen sowie Weingärten und deren Tröpfchen. Alles weitere gute Gründe für einen Besuch von Trenčín und Umgebung im Jahr 2026!